out of the box
Regalsystem„Thinking out of the box“ beschreibt eine unkonventionelle, kreative Denk- und Vorgehensweise, um Lösungen zu…
Ein Möbel, das nicht so tun muss, als wäre es aus etwas anderem: 6 Entwürfe zeigen, wie Materialehrlichkeit vom Werkbund bis heute Gestaltung prägt – sichtbar, reparierbar, ohne Täuschung.
Ein Material darf zeigen, was es ist. Materialehrlichkeit heißt: kein aufgedrucktes Furnier, das eine andere Holzart vortäuscht, keine Verbindung, die hinter einer Blende versteckt wird, keine Lackschicht, die die Herkunft des Holzes verschleiert. Das Material trägt seine eigene Geschichte sichtbar auf der Oberfläche.
Bei „Die Wandel“, einer Fassadenbekleidung aus gespaltener Eiche mit roher Oberfläche, heißt es in der Entwurfsbeschreibung, das Holz wirke, „als hätte es seine Herkunft noch nicht vergessen“. Genauer lässt sich das Prinzip kaum zusammenfassen.
Das Konzept ist über hundert Jahre alt. Im 19. Jahrhundert wurden Materialien häufig imitiert – bemaltes Holz als Marmor-Attrappe war keine Seltenheit. Als Gegenbewegung forderte die Arts-and-Crafts-Bewegung um John Ruskin und William Morris in England ehrliches Handwerk statt Täuschung.
Im deutschsprachigen Raum wurde daraus mit dem Deutschen Werkbund (gegründet 1907) ein eigenes Gestaltungsprinzip: „Materialgerechtigkeit“ – ein Werkstoff soll so bearbeitet werden, wie es seiner Eigenart entspricht. Eng verwandt ist die „Konstruktionsehrlichkeit“: Wie ein Möbel zusammengehalten wird, darf sichtbar bleiben. Das Bauhaus führte diese Haltung radikaler weiter – keine angesetzten Ornamente, Material und Konstruktion offen ablesbar.
Ein ehrlich verarbeitetes Material braucht weniger Beschichtung, weniger Chemie, weniger Aufwand, seine Herkunft zu kaschieren. Wichtiger ist aber die Konstruktion: Sichtbare, lösbare Verbindungen wie Schwalbenschwanz, Zapfen oder Gratleisten lassen sich reparieren, zerlegen, wiederverwenden – ganz ohne Lösemittel oder zerstörerische Demontage. Das ist die handwerkliche Vorstufe von dem, was heute als Kreislaufwirtschaft oder Design for Disassembly diskutiert wird.
„KIILA“, ein Hängeregal aus dem Wettbewerb, zeigt das exemplarisch: vollständig ohne Leim- und Metallverbindungen, reduziert auf regionales Vollholz. Nachhaltigkeit radikal gedacht – nicht als nachträgliches Gütesiegel, sondern als direkte Folge ehrlicher Materialentscheidung. Verwandte Perspektiven dazu auch bei Nachhaltigkeit im Möbeldesign und Upcycling.
Ein Gestaltungsprinzip, nach dem ein Werkstoff so verwendet wird, wie es seiner Eigenart entspricht – ohne Verkleidung, Imitation oder versteckte Verbindungen.
Aus der Arts-and-Crafts-Bewegung des 19. Jahrhunderts und wurde vom Deutschen Werkbund (ab 1907) als „Materialgerechtigkeit“ zu einem eigenen Gestaltungsgrundsatz, später vom Bauhaus fortgeführt.
Nein. Unehrlich ist Furnier nur, wenn es vortäuscht, etwas anderes zu sein – etwa bedruckte Folie statt echtem Holz. Furnier als eigenständige, sichtbare Technik (siehe Furnierarbeiten) widerspricht dem Prinzip nicht.
Sichtbare, lösbare Holzverbindungen wie Zapfen, Schwalbenschwanz oder Gratleisten – alles, wo die Verbindung Teil der Formensprache bleibt statt versteckt zu werden.
Sichtbare, unverleimte Verbindungen lassen sich reparieren und zerlegen, statt zerstört werden zu müssen. Das ist eine frühe, handwerkliche Version dessen, was heute als Kreislaufwirtschaft diskutiert wird.
Achtet beim Durchsehen auf das, was nicht kaschiert wird: sichtbare Verbindungen, unbehandelte Oberflächen, Material, das seine Herkunft zeigt.