Baum am eisernen Faden
Kunstwerk | SkulpturEin Kunstobjekt, das einen auf den Kopf gestellten Baum darstellt, soll auf die weltweite Abholzung…
Hamburg bündelt Tischlerausbildung, Innung, Designhochschulen, Museum der Arbeit und MK&G. Die Entwürfe hier zeigen, wie Möbelhandwerk in der Stadt sichtbar wird.
Hamburg ist für »Holz bewegt« der dichteste Ort im Archiv: Die meisten Entwürfe hier kommen aus der Stadt. Dahinter steckt kein einzelner Stil, sondern ein Geflecht aus Betrieben, Berufsschule, Innung, Hochschulen, Museen und Ausstellungsorten. Für Nachwuchstischler:innen ist diese Nähe praktisch. Ein Gesellenstück entsteht im Betrieb und in der Schule, kann aber im selben Stadtraum neben historischen Möbeln, Designsammlungen und Wettbewerbsarbeiten gelesen werden.
Die Tischler-Innung Hamburg sitzt am Albert-Schweitzer-Ring in Tonndorf und steht für die organisierte Seite des Handwerks. Sie ist zuständig für Prüfungen und überbetriebliche Ausbildung. Die Innung selbst geht auf das Jahr 1883 zurück. Damit ist das heutige Hamburger Tischlerhandwerk nicht nur ein loses Netz einzelner Werkstätten, sondern Teil einer langen beruflichen Struktur aus Ausbildung, Prüfung, Meisterbetrieben und Nachwuchsförderung.
Der zentrale schulische Ort für angehende Tischler:innen ist die Berufliche Schule Holz.Farbe.Textil in der Richardstraße 1, zwischen Eilbek und Uhlenhorst. Die Schule begleitet den Berufsschulteil der dualen Ausbildung und bietet mit der Fachschule Holztechnik auch einen Weg nach der Ausbildung. Dort geht es um Konstruktion, Fertigung, Planung, Gestaltung und die Frage, wie aus einer handwerklichen Grundlage mehr Verantwortung im Betrieb entstehen kann.
Die Tischler-Innung Hamburg ergänzt das mit überbetrieblichen Lehrgängen in Tonndorf. Dort werden Ausbildungsteile vermittelt, die nicht jeder Betrieb selbst abdecken kann: Maschinenkurse, Oberflächenkurse, Grundlehrgänge. Für Designbezug kommen Hochschulen dazu. Die HFBK am Lerchenfeld arbeitet mit einer Holz-Werkstatt, in der unter anderem Sägen, Hobeln, Fräsen, Schleifen, Biegen, Schicht- und Formverleimung sowie Furnier vermittelt werden. Die HAW Hamburg hat ihr Design-Department an der Armgartstraße und arbeitet mit Laboren, Werkstätten und praxisbezogenen Projekten.
Das Museum der Arbeit am Wiesendamm 3 in Barmbek ist der Ausstellungsort von »Holz bewegt«. Der Ort passt zum Wettbewerb, weil hier Arbeit, Technik und Alltag zusammenkommen. Die offenen Werkstätten des Museums zeigen vor allem grafisches Gewerbe, Druck und Satz. Für Möbelbauer:innen liegt der Bezug weniger in einer Holzwerkstatt als im Blick auf Herstellung: Maschinen, Handgriffe, Materialdisziplin und die Frage, wie Arbeit sichtbar wird.
Das Museum für Kunst und Gewerbe am Steintorplatz zeigt Möbelgeschichte direkter. In der Sammlung vor Ort reichen die Möbel von der mittelalterlichen Truhe bis zum klassizistischen Mehrzweckmöbel. In der Sammlung Kunstgewerbe und Design liegen rund 15.000 Objekte aus mehr als 200 Jahren Gestaltungsgeschichte, vom Biedermeier bis Bauhaus. Für Hamburger Möbel lohnt der Blick auf konkrete Objekte: den Hamburger Schapp um 1700, den Hamburger Stuhl aus dem frühen 19. Jahrhundert und Vierländer Stühle mit geschnitzten, geflochtenen oder intarsierten Details.
Hamburgs Möbelbau hat zwei Pole, die für Entwürfe gut lesbar sind. Der eine Pol ist der Innenausbau: passgenaue Einbauten, Küchen, Läden, Praxen, Büros, Möbel für kleine Grundrisse. Der andere Pol ist die Objektkultur: Stühle, Schränke, Tische und Einzelstücke, bei denen Herkunft, Material und Konstruktion erkennbar bleiben. Der Hamburger Schapp im MK&G zeigt das im historischen Maßstab: ein großer Dielenschrank aus Nussbaum mit Eiche und Nadelholz als Konstruktionsholz, furniert, geschnitzt und innen bemalt.
Für dein eigenes Projekt lohnt sich die Frage, welcher dieser Pole trägt: Soll dein Möbel einen konkreten Raum lösen, oder soll es als Einzelstück eine klare Material- und Konstruktionsidee zeigen? Die besten Hamburger Arbeiten im Archiv wirken dann stark, wenn sie diese Entscheidung nicht verwischen.
Unten findest du alle Entwürfe aus Hamburg. Der Blick lohnt sich über einzelne Möbeltypen hinweg: Tische, Stühle, Regale, Schränke, Leuchten, Hocker und freie Arbeiten zeigen, wie breit das Spektrum der Stadt ist. Als Einstieg passen die Querverweise zu Gesellenstück, Materialehrlichkeit und Barmbek, dem Stadtteil rund um das Museum der Arbeit.