Gesellenstücke im Tischlerhandwerk: Deine Idee, deine Geschichte

Auf einen Blick

Auf der Suche nach der Idee für dein Gesellenstück? Hier stöberst du durch echte Entwürfe – und findest raus, warum die beste Idee meist die persönlichste ist.

Es gibt Schränke seit Jahrhunderten, in jedem Stil, jeder Bauweise, jeder erdenklichen Proportion. Wie soll man da noch etwas Eigenes finden, ohne das Rad neu zu erfinden?

Die gute Nachricht: Du musst das Rad nicht neu erfinden. Du musst nur eine Frage für dich beantworten: Zu welchem Stück kannst du eine Geschichte erzählen?

Nicht „was ist gerade angesagt“ oder „was kommt bei der Jury gut an“ – sondern: Was verbindet dich mit einer Idee, einem Material, einer Person, einer Erinnerung? Genau da, in dieser Verbindung, steckt der Anfang für ein Gesellenstück, das nicht nur funktioniert, sondern dir gehört.

Häufige Fragen

Was ist ein Gesellenstück?

Ein Gesellenstück ist die praktische Prüfungsarbeit am Ende der Ausbildung im Tischler- und Schreinerhandwerk: ein selbst entworfenes und gefertigtes Möbel, das über den Gesellenbrief entscheidet. Es steht am Übergang von Auszubildendem zu Gesellin oder Geselle — die erste eigenständige Arbeit, die vor einer Prüfungskommission bestehen muss.

Wie viel Zeit habe ich für mein Gesellenstück?

Die Rahmenbedingungen setzt die zuständige Handwerkskammer. Üblich sind rund 100 Stunden Werkstattzeit für die eigentliche Fertigung, dazu die Vorarbeit für Entwurf, Zeichnung und Materialdisposition. Verteilt wird das meist über mehrere Wochen. Für konkrete Zahlen ist die eigene HWK oder Berufsschule die richtige Adresse — Details variieren regional.

Wer bezahlt das Material?

In der Regel der Ausbildungsbetrieb. Wenn du besondere Wünsche hast — teures Furnier, ungewöhnliches Massivholz, hochwertige Beschläge — lohnt sich das Gespräch vor Prüfungsbeginn. Manche Auszubildende steuern eigenes Wunschmaterial dazu, wenn der Betrieb den Standard-Etat sprengt. Die Materialkosten fürs Gesellenstück sind Teil der üblichen Ausbildungskosten.

Wem gehört das fertige Möbel?

Rechtlich hängt es vom Ausbildungsvertrag ab. In der Praxis ist es meist so: Das Möbel gehört dem Ausbildungsbetrieb, viele Betriebe überlassen es aber dem Prüfling — geschenkt oder gegen einen symbolischen Preis. Wichtig: vor Prüfungsbeginn klären, damit später niemand überrascht ist.

Wie unterscheidet sich das Gesellenstück vom Meisterstück?

Das Gesellenstück steht am Ende der Ausbildung, meist im dritten Lehrjahr. Das Meisterstück steht mehrere Jahre später am Ende der Meisterausbildung — mit deutlich höherem Anspruch an Eigenständigkeit, Gestaltung und Kalkulation, und einem Vollzeit-Vorbereitungslehrgang davor. Wer ein Gesellenstück gebaut hat, hat gezeigt, dass sie das Handwerk beherrscht. Wer ein Meisterstück baut, zeigt, dass sie eigenständig gestalten und leiten kann.

Wo kann ich Gesellenstücke sehen?

Im Rahmen von »Holz bewegt« zeigen wir alle zwei Jahre eine kuratierte Auswahl der stärksten Gesellenstücke aus Norddeutschland — im Museum der Arbeit in Hamburg. Ganzjährig durchsehen kannst du das komplette Wettbewerbsarchiv von »Holz bewegt« direkt hier auf der Seite.

Echte Gesellenstücke entdecken

Diese Seite ist kein trockener Ratgeber, sie ist eine Sammlung echter Wettbewerbsbeiträge. Stöber durch die Entwürfe unten, sieh dir an, welche Geschichten andere erzählt haben, welche Materialien, welche Wege. Vielleicht ist genau das der Anstoß, den du gerade brauchst. Und falls du schon weiter bist als deine Gesellenprüfung: Auf der Meisterstück-Seitezeigen wir, wohin die Reise als Nächstes gehen kann.

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