Bugholz – vom Verfahren von Michael Thonet zum modernen Möbel

Auf einen Blick

Bugholz ist massives Holz — meist Buche oder Ahorn — das mit Wasserdampf weich gemacht und in Form gebogen wird. Michael Thonet erfand das Verfahren um 1830 und veränderte damit den Möbelbau. Bis heute entstehen aus Bugholz Möbel, die federleicht wirken und trotzdem tragen.

Bugholz ist Vollholz, das mit Wasserdampf so weit erweicht wird, dass es sich in eine Form biegen lässt, ohne zu brechen. Nach dem Trocknen behält es die neue Form dauerhaft — genauso stabil und belastbar wie vorher. Das klingt technisch, ist aber der eigentliche Trick, der ganze Möbelfamilien überhaupt erst möglich gemacht hat: gebogene Stuhllehnen, geschwungene Sesselarme, Schaukelkufen aus einem einzigen Holzstück.

Das übliche Material ist Rotbuche, seltener Ahorn oder Esche. Buche eignet sich besonders, weil ihre Faser lang und gleichmäßig ist. Wichtig: Bugholz ist Massivholz. Nicht zu verwechseln mit Formsperrholz oder Schichtholz, bei denen dünne Furniere zu einer geschwungenen Form verleimt werden — das ist ein verwandtes, aber technisch anderes Verfahren, das im 20. Jahrhundert durch Alvar Aalto und andere skandinavische Gestalter zu Ikonen geführt hat.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Bugholz und Formsperrholz?

Bugholz ist massives Holz, das im Ganzen gebogen wird. Formsperrholz und Formholz entstehen, indem dünne Holzschichten in eine Form verleimt werden. Beide Verfahren erzeugen geschwungene Bauteile, aber mit unterschiedlicher Struktur, Optik und Belastungsverhalten.

Welches Holz wird für Bugholz verwendet?

Klassisch Rotbuche. Sie hat lange, gleichmäßige Fasern und lässt sich zuverlässig biegen. Möglich sind auch Ahorn und Esche. Nadelhölzer eignen sich nicht — sie brechen.

Bricht Bugholz nach Jahren?

Bei sauber gedämpften, sauber gebogenen und sauber getrockneten Bauteilen nicht. Die Faserstruktur bleibt intakt; das Holz ist nach dem Biegen genauso tragfähig wie vorher. Ausfälle entstehen fast immer durch Fehler im Prozess: zu wenig Dampf, zu schnelles Biegen, zu enger Radius.

Kann man Bugholz selbst herstellen?

Prinzipiell ja, im kleinen Maßstab. Es gibt Selbstbau-Dampfkammern aus Rohren und Wasserkocher-Kesseln. Für einfache Krümmungen — Bugbretter, kleine Sitzflächen — reicht das. Für Möbel mit engen Radien braucht es geschultes Vorgehen und passende Formen. Kurse zum Thema bieten einzelne Werkstätten und Meisterschulen an.

Was ist der Wiener Kaffeehausstuhl?

Der Stuhl Nr. 14, heute Modell 214, den Thonet 1859 auf den Markt brachte. Sechs gebogene Buchenholzteile, zerlegt versandt, in den Filialen zusammengeschraubt. Der Prototyp der industriell hergestellten Möbel — und mit rund 50 Millionen Exemplaren bis 1930 einer der meistgebauten Stühle der Welt.

Nicht in jedem Jahrgang taucht Bugholz auf. Wenn aber ein Entwurf mit gebogenem Massivholz eingereicht wird, fällt er sofort ins Auge — an den geschwungenen Linien erkennt man sofort, dass hier jemand mit dem Material verhandelt hat. Unten alle Entwürfe aus 15 Jahren »Holz bewegt«, die sich in diese Richtung getraut haben. Massiv gebogen oder formverleimt, immer mit Respekt vor dem Werkstoff.

16 Entwürfe aus Bugholz