TeaTime
BeistellmöbelInspiriert durch den antiken Teewagen meiner Schwiegermutter habe ich „TeaTime“ als vielseitiges Beistellmöbel entworfen. Der…
Bugholz ist massives Holz — meist Buche oder Ahorn — das mit Wasserdampf weich gemacht und in Form gebogen wird. Michael Thonet erfand das Verfahren um 1830 und veränderte damit den Möbelbau. Bis heute entstehen aus Bugholz Möbel, die federleicht wirken und trotzdem tragen.
Bugholz ist Vollholz, das mit Wasserdampf so weit erweicht wird, dass es sich in eine Form biegen lässt, ohne zu brechen. Nach dem Trocknen behält es die neue Form dauerhaft — genauso stabil und belastbar wie vorher. Das klingt technisch, ist aber der eigentliche Trick, der ganze Möbelfamilien überhaupt erst möglich gemacht hat: gebogene Stuhllehnen, geschwungene Sesselarme, Schaukelkufen aus einem einzigen Holzstück.
Das übliche Material ist Rotbuche, seltener Ahorn oder Esche. Buche eignet sich besonders, weil ihre Faser lang und gleichmäßig ist. Wichtig: Bugholz ist Massivholz. Nicht zu verwechseln mit Formsperrholz oder Schichtholz, bei denen dünne Furniere zu einer geschwungenen Form verleimt werden — das ist ein verwandtes, aber technisch anderes Verfahren, das im 20. Jahrhundert durch Alvar Aalto und andere skandinavische Gestalter zu Ikonen geführt hat.
Michael Thonet, geboren 1796 in Boppard am Rhein, war gelernter Tischler. Ab 1830 experimentierte er mit gebogenem Holz. Erst mit verleimten Furnierpaketen, die er in Leim kochte und in Formen zwang — der „Bopparder Stuhl“ von etwa 1838 zeigt das Ergebnis. Das Verfahren hatte einen Haken: Die damaligen Leime aus Tierknochen oder -häuten hielten Feuchtigkeit nicht aus. Für den Export über See war das der Todesstoß.
Der Durchbruch kam, als Thonet aufs Massivholz umstieg. Buchenstäbe wurden im Dampfkessel gekocht, in Metallschienen gespannt und in Form gebogen. Das Metallband war entscheidend: Es nahm die Zugkräfte auf, die außen am gebogenen Holz auftreten. Ohne Band bricht das Werkstück. Mit Band lässt sich das erweichte Holz in enge Radien zwingen, die vorher unmöglich waren.
1841 ließ Thonet das Verfahren patentieren, ab 1849 arbeitete er in Wien. Zusammen mit seinen fünf Söhnen baute er Fabriken in Böhmen und Mähren, führte die serielle Möbelproduktion ein und lieferte in zerlegten Bausätzen aus — 150 Jahre vor IKEA. Der Stuhl Nr. 14, heute Modell 214, entstand 1859 aus sechs gebogenen Bauteilen, zwei Muttern und zehn Schrauben. Bis 1930 waren rund 50 Millionen Exemplare verkauft. Der Wiener Kaffeehausstuhl ist das erste industriell hergestellte Designmöbel.
Das Verfahren, das Thonet entwickelte, wird bei Thonet in Frankenberg bis heute nahezu unverändert angewandt. In grob vier Schritten:
Für einen einzelnen Stuhl fallen — je nach Modell — deutlich über hundert einzelne Arbeitsschritte an. Die Biegung selbst ist der spektakuläre Moment, die Präzision der Vor- und Nacharbeit macht das Möbel.
Bugholz ist keine tote Technik. Neben der klassischen Produktion in Frankenberg arbeiten Tischler:innen, Designstudierende und Werkstätten mit dem Verfahren weiter. Manche nutzen es, um filigrane Stuhlkonstruktionen zu bauen, für die geradlinige Rahmen zu klobig wären. Andere kombinieren gebogene Elemente mit klassischen Verbindungen zu Hybriden, die es industriell nicht gibt.
Der ökologische Punkt macht das Verfahren zusätzlich interessant: Rotbuche wächst in Mitteleuropa in großen Mengen, ist regional verfügbar, gilt als vergleichsweise klimafreundlicher Baustoff. Für viele Konstruktionen ersetzt ein gebogener Buchenstab mehrere geleimte Teile — weniger Verschnitt, weniger Leim, weniger Beschläge.
Bei »Holz bewegt« taucht Bugholz nicht in jedem Jahrgang auf. Wenn ein Entwurf mit gebogenem Massivholz eingereicht wird, fällt er allerdings sofort auf: An geschwungenen Formen erkennt man auf zwei Meter Distanz, dass hier jemand die Grenzen des Materials verhandelt hat. Ein Blick auf verwandte Techniken — auch Furnierarbeiten und formverleimte Schichthölzer — zeigt: Wer sich mit gebogenen Formen beschäftigt, betritt eine ganze Verwandtschaft von Verfahren, die zwischen Vollholz-Handwerk und Industriedesign vermitteln.
Bugholz ist massives Holz, das im Ganzen gebogen wird. Formsperrholz und Formholz entstehen, indem dünne Holzschichten in eine Form verleimt werden. Beide Verfahren erzeugen geschwungene Bauteile, aber mit unterschiedlicher Struktur, Optik und Belastungsverhalten.
Klassisch Rotbuche. Sie hat lange, gleichmäßige Fasern und lässt sich zuverlässig biegen. Möglich sind auch Ahorn und Esche. Nadelhölzer eignen sich nicht — sie brechen.
Bei sauber gedämpften, sauber gebogenen und sauber getrockneten Bauteilen nicht. Die Faserstruktur bleibt intakt; das Holz ist nach dem Biegen genauso tragfähig wie vorher. Ausfälle entstehen fast immer durch Fehler im Prozess: zu wenig Dampf, zu schnelles Biegen, zu enger Radius.
Prinzipiell ja, im kleinen Maßstab. Es gibt Selbstbau-Dampfkammern aus Rohren und Wasserkocher-Kesseln. Für einfache Krümmungen — Bugbretter, kleine Sitzflächen — reicht das. Für Möbel mit engen Radien braucht es geschultes Vorgehen und passende Formen. Kurse zum Thema bieten einzelne Werkstätten und Meisterschulen an.
Der Stuhl Nr. 14, heute Modell 214, den Thonet 1859 auf den Markt brachte. Sechs gebogene Buchenholzteile, zerlegt versandt, in den Filialen zusammengeschraubt. Der Prototyp der industriell hergestellten Möbel — und mit rund 50 Millionen Exemplaren bis 1930 einer der meistgebauten Stühle der Welt.
Nicht in jedem Jahrgang taucht Bugholz auf. Wenn aber ein Entwurf mit gebogenem Massivholz eingereicht wird, fällt er sofort ins Auge — an den geschwungenen Linien erkennt man sofort, dass hier jemand mit dem Material verhandelt hat. Unten alle Entwürfe aus 15 Jahren »Holz bewegt«, die sich in diese Richtung getraut haben. Massiv gebogen oder formverleimt, immer mit Respekt vor dem Werkstoff.